Grossaufmarsch in Weinfelden
Grossaufmarsch in Weinfelden
Neue Thurbo Serviceanlage begeistert die Massen
Thurbo feiert am 1. November 2025 die Eröffnung der Serviceanlage in Weinfelden sowie die Taufe des ersten Flirt Evo mit der Bevölkerung, welche die gegenwärtigen sowie die künftigen Regionalzüge aus ungewohnten Perspektiven bestaunt. Der Tag der offenen Tür wirkt auch nach innen – bei Thurbo und bei der SBB.
Man könnte meinen, ein Warenhaus öffne kurz vor dem Ausverkauf seine Tore: Zahlreiche Menschen stehen Schlange, recken erwartungsvoll die Hälse, bringen sich in Pole-Position. Doch hier gibt es nichts zu kaufen, dafür umso mehr zu besichtigen.

Gegen 11.00 Uhr stehen die Menschen bis zur Strasse Schlange. Bild: Thurbo AG
Als Punkt 10.00 Uhr das Absperrband durchtrennt wird, strömen die ersten Besucher:innen in die neue Thurbo Serviceanlage in Weinfelden. Ganze 4’000 sind es bis zum Ende des Tags der offenen Tür. Es ist Allerheiligen – im Nachbarkanton St. Gallen und vielleicht künftig auch thurbointern ein Feiertag.
Moderner und nachhaltiger Bau
18.4 Millionen Franken hat Thurbo in die Serviceanlage investiert, welche zwischen November 2023 und August 2025 an alter Stätte neu errichtet wurde. Entstanden ist eine moderne und nachhaltige Anlage in Holzbauweise. Die PV-Anlage an der Fassade und auf dem Dach produziert knapp 400'000 Kilowattstunden pro Jahr, womit rund 150 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden können. Zwar besitzt Thurbo die Anlage, betrieben wird sie aber vom Regionalfahrzeug Instandhaltungscenter Ostschweiz (RICO), einer Organisationseinheit der SBB. «Ein wirklich schöner Holzbau», bilanziert René Rusch, «die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm und auch im Sommer entsteht keine Bullenhitze.» Der 57-Jährige arbeitet bei RICO und führt täglich schwere Instandhaltungsarbeiten (siehe Infobox) an den Thurbo Zügen aus. Am Tag der offenen Tür gibt er Einblicke in seine Arbeit.

René Rusch ist Instandhaltungsspezialist bei der SBB und kennt die Thurbo Züge aus jedem Blickwinkel. Bild: Thurbo AG
Im Eingangsbereich der Serviceanlage bringt Beat Bolliger neues Absperrband an und installiert kurzerhand eine Schleuse, um den Besucherstrom zu lenken. Der Kommunikationsspezialist für den Personenverkehr ist Co-Chef des OK und hat bereits viele neue oder modernisierte Instandhaltungsanlagen kommunikativ begleitet, darunter auch grosse wie diejenigen in Olten oder Basel. «Die Ostschweiz steht offensichtlich hinter ihrer Regionalbahn», sagt er erfreut ob des hohen Interesses.
Ein Eindruck, den Unternehmensleiterin Claudia Bossert teilt: «Die vielen Menschen zeigen mir, wie stark Thurbo in der Ostschweiz verankert ist», sagt sie stolz. Die Emotionen sind auch Regierungspräsident Walter Schönholzer anzusehen, als er den ersten Flirt Evo auf den Namen «Thurgau» tauft. «Mit diesen neuen Zügen werden die rund 35 Millionen Fahrgäste, die jährlich mit Thurbo unterwegs sind, noch komfortabler reisen als heute. Ich wünsche allen Menschen vom Bodensee bis zum Säntis gute Fahrt», verkündet Schönholzer zum Ende seiner Rede als «Götti» des ersten neuen Thurbo Zugs.

Regierungsrat Walter Schönholzer strahlt, als er den ersten Flirt Evo von Thurbo auf den Namen Thurgau tauft. Auch Thurbo Unternehmensleiterin Claudia Bossert ist sichtlich gerührt. Bild: Thurbo AG
Züge aus der Vogelperspektive betrachten
Thurbo ersetzt in den kommenden Jahren ihre gesamte Flotte mit Zügen des Typs Flirt Evo. Auch deshalb ist die neue Serviceanlage für die Zukunft von Thurbo essenziell: Nebst dem Unterhalt der aktuellen Gelenktriebwagen (GTW) werden hier alle 329 Züge, die Thurbo gemeinsam mit der SBB und RegionAlps bestellt hat, vor der Inbetriebnahme auf Herz und Nieren geprüft. (siehe Infobox).
Auch am Tag der offenen Tür prüfen die Besucher:innen die diversen Stationen ganz genau: Kinder wie Erwachsene lassen sich per Fotobox im Führerstand des Flirt Evo ablichten, andere steigen auf die Dacharbeitsplätze unter der Hallendecke auf, um die Szenerie aus der Vogelperspektive auf sich wirken zu lassen. Nicht zuletzt sorgt Regionalbahn-Maskottchen Thurbi für gute Stimmung. Rund 20 Thurbo Mitarbeitende aus allen Bereichen betreuen die verschiedenen Posten, hinzu kommt das Personal von RICO und der SBB. «Teamwork auf der ganzen Linie», fasst Claudia Bossert zusammen.

Auch die Thurbo Mitarbeitenden wollten sich ein Erinnerungsbild mit der Fotobox nicht entgehen lassen. Bild: Thurbo AG
One SBB
Um 16.00 Uhr machen sich die letzten Bahnfans langsam auf den Heimweg. Viele haben Bilder als Erinnerung in der Tasche, knapp 1’200 Fotos wurden bei den zwei Fotoboxen ausgedruckt.
Auch die Helfer:innen werden den Tag in guter Erinnerung behalten: Die neue Serviceanlage in Weinfelden ist für Thurbo ein strategischer Meilenstein, der würdig mit der Bevölkerung gefeiert wurde. Entsprechend gelöst und euphorisch ist die Stimmung im Pausenraum im UG der Serviceanlage, wo SBB, RICO und Thurbo gemeinsam anstossen. Das Schlusswort gebührt Thurbo Unternehmensleiterin Claudia Bossert, die sich für den Einsatz bedankt und sagt: «Das war gelebte One SBB.»
«4'000 Personen sind eine echte Hausnummer»
Oliver Heiniger leitet das Regionalfahrzeug Instandhaltungscenter Ostschweiz (RICO), welches für die Instandhaltung der Thurbo Züge zuständig ist. Im Interview erzählt er, was die Eröffnung der Serviceanlage bei seinem Team ausgelöst hat und beschreibt das Verhältnis von RICO und Thurbo anhand einer Anekdote seiner Kinder.

Oliver Heiniger (rechts), Leiter des Regionalfahrzeug Instandhaltungscenter Ostschweiz, spricht bei der offiziellen Eröffnung der Thurbo Serviceanlage auf dem Podium. Bild: Thurbo AG
Oliver Heiniger, mit welchen Gefühlen denken Sie an die Eröffnung der Serviceanlage in Weinfelden zurück?
OH: Mit sehr positiven. Im ganzen Team von RICO herrschten auch Wochen nach dem Tag der offenen Tür eine besondere Energie und grosse Begeisterung. Wir haben von den zahlreichen Besucher:innen eine enorme Wertschätzung unserer Arbeit erfahren.
Woran machen Sie diese Wertschätzung fest?
OH: Einerseits an der schieren Anzahl an Besucher:innen. 4'000 Menschen sind für die Ostschweiz eine echte Hausnummer. Viele sind sogar wie in einem Freizeitpark Schlange gestanden, um eingelassen zu werden, oder die Fahrzeuge von unten und oben zu begutachten. Andererseits habe ich bei einem Grossteil der Anwesenden ein ehrliches Interesse am Beruf der Instandhaltung gespürt. Mir kam es fast so vor, als hätten sich die Leute mit einem Fragebogen auf den Tag vorbereitet. Das war für mein Team eine grosse Freude. Unser Wirken findet normalerweise jenseits des Scheinwerfers der Öffentlichkeit statt.
RICO und Thurbo sind seit jeher eng verbunden. Ist die Verbindung durch die neue Serviceanlage noch stärker geworden?
OH: Im Anschluss an den Tag der offenen Tür haben im Pausenraum Mitarbeitende der SBB, von Thurbo und RICO gemeinsam angestossen. Ich habe selten eine so gelöste Stimmung erlebt. Wir sind definitiv noch mehr zusammengewachsen, die gegenseitige Hilfsbereitschaft rund um die Eröffnung war von allen Seiten enorm hoch und das Verständnis für das Gegenüber ist nun noch stärker vorhanden.

Das Team von RICO inklusive Leiter Oliver Heiniger (ganz links) fühlt sich wohl in der neuen Serviceanlage. Im Anschluss an die offizielle Eröffnung erhielten die Mitarbeitenden einen Weinfelder Zopf überreicht. Ebenfalls auf dem Bild zu sehen sind Reto Liechti, SBB Konzernleitungsmitglied und Leiter Produktion Personenverkehr sowie Thurbo Verwaltungsrat, und die Thurbo Unternehmensleiterin Claudia Bossert (beide in blau). Bild: Thurbo AG
Wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit von RICO und Thurbo in Ihren Worten?
OH: Für mich ist es eine Partnerschaft, die durch verschiedene Zutaten zum Erfolgsrezept wird: Regionalität, Nähe, Flexibilität und Hilfsbereitschaft. Wir alle verpflichten uns einem sicheren und zuverlässigen Betrieb der in der Region beliebten Thurbo Fahrzeuge. Dazu müssen Betreiber (Thurbo) und Instandhalter (RICO) nicht zwingend organisatorisch unter dem gleichen Dach sein. Ich glaube, die Ergebnisse sprechen im betrieblichen Alltag oder auch am Tag der offenen Tür für sich. Meine Mitarbeitenden identifizieren sich stark mit der SBB, zu der wir gehören, aber genauso stark mit Thurbo. Darf ich eine kleine Anekdote zum Verhältnis RICO–Thurbo erzählen?
Klar.
OH: Wir sind eine Organisationseinheit der SBB, werden in der Öffentlichkeit aber oft für Thurbo Mitarbeitende gehalten, weil wir uns zu einem Grossteil um die Züge der Thurbo kümmern. Wenn ich mit meinen Kindern beim Bahnhof in Winterthur bei den abgestellten GTW vorbeigehe, rufen sie immer: «Schau Papi, da sind deine Züge! Dürfen wir wieder mal mit dem Thurbo fahren?»
Knapp ein Jahr ist seit der Inbetriebnahme der Serviceanlage vergangen. Wie gefällt es dem Team?
OH: Die positive Wirkung der neuen Serviceanlage ist weiterhin stark zu spüren. Der Holzbau sorgt zum einen für eine sehr heimelige Arbeitsatmosphäre. Zum anderen ist es thermisch ideal, um zu werken: Im Winter können wir im T-Shirt arbeiten, im Sommer wird es nicht zu heiss. Ein echter Mehrwert für alle Beteiligten.
Herausgeberin
Thurbo AG Bahnhofstrasse 31 Postfach 8280 Kreuzlingen 1
Die Thurbo AG ist ein Unternehmen der SBB mit Beteiligung des Kantons Thurgau.

