Neue Gesicher in der Geschäftsleitung

Neue Gesicher in der Geschäftsleitung

Zwischen Kontinuität und Wandel

Thurbo durfte im vergangenen Geschäftsjahr zwei neue Geschäftsleitungsmitglieder begrüssen: Martin Thalmann trat als Leiter Betrieb dem Gremium im März 2025 bei, im August folgte die neue HRM-Leiterin Jennifer Meier. Die beiden schauen im Doppelinterview auf ihre Anfangszeit bei Thurbo zurück und verraten, welche Rolle sie in der Geschäfts­leitung einnehmen.

Martin Thalmann, Sie sind beruflich seit langem mit der Bahnwelt verbunden, zuletzt als Leiter des Regional­fahrzeug Instandhaltungs­centers Ostschweiz (RICO). Ein Vorteil für Ihren Einstieg bei Thurbo?

MT: Von Vorteil war, dass ich die Unternehmenskultur von Thurbo bereits kannte und so bei meiner Bewerbung schon wusste, dass dies ein Umfeld ist, in dem ich mich wohlfühlen kann.

Waren die Erwartungen an Sie aufgrund Ihrer Vorgeschichte nicht automatisch etwas höher?

MT: Nein, ich denke nicht. Ich habe bereits im Bewerbungsverfahren offengelegt, dass ich zwar im technischen Bereich fundierte Kenntnisse habe, aber betriebliche Themen für mich zu einem grossen Teil Neuland sein werden.

Jennifer Meier, für Sie war es ein Einstieg in eine völlig neue Branche?

JM: Das stimmt, es sind neue Themen und vor allem eine neue Unternehmens­­kultur, die mich bei Thurbo erwartet haben. Im HR gibt es allerdings auch zwischen branchen­fremden Unternehmen viele Über­schneidungen, sodass ich mich in diesem Bereich schnell zurechtfand. Gewisse Vorkenntnisse hätten den Einstieg sicher erleichtert, aber ich sehe es vor allem als Vorteil für Thurbo, dass jemand mit einem frischen Blick neue Perspektiven ins Unternehmen einbringen kann.

Jennifer Meier und Martin Thalmann unterhalten sich in einem der neuen Flirt-Evo-Züge. Bild: Thurbo AG

Sie haben beide die Thurbo Unternehmenskultur erwähnt. Wie nehmen Sie diese wahr?

JM: Ich wurde mit Offenheit und Freude empfangen; das Vertrauen der Mitarbeiter:innen in meine Funktion war gross. Aber es ist auch eine gewisse Zurückhaltung gegenüber neuen Ansätzen spürbar. Die eigene Komfortzone zu verlassen, fällt manchmal noch etwas schwer.

MT: Auch mir wurde mit viel Herz­lich­keit und Wohlwollen begegnet. Man spürt bei vielen Mitarbeiter:innen Leidenschaft und Freude für das, was sie tun – für mich ein Erfolgsrezept von Thurbo. Auch in meinem Bereich habe ich eine gewisse Vorsicht gegenüber Veränderungen wahrgenommen. Aber gleichzeitig auch eine grosse Bereit­schaft, Dinge anders anzupacken.

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Man spürt bei vielen Mitarbeiter:innen Leidenschaft und Freude für das, was sie tun.

Martin Thalmann Leiter Betrieb

Wie wirken Sie dieser Zurückhaltung oder Vorsicht gegenüber Veränderungen entgegen?

MT: Ich setze auf Transparenz und begegne meinen Mitarbeiter:innen auf Augenhöhe. Ich kommuniziere nicht nur einen Entscheid, sondern zeige auch auf, welche Beweggründe zu diesem Entscheid geführt haben. So können meine Mitarbeiter:innen eine Veränderung zumindest nachvollziehen – auch wenn sie vielleicht anders entschieden hätten.

JM: Das sehe ich genauso. Zudem halte ich es für besonders wichtig, alle Betroffenen frühzeitig in einen Veränderungsprozess einzubeziehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Überlegungen einzubringen.

Martin Thalmann war beruflich schon früh mit der Eisenbahnwelt in Kontakt. Seine Lehre als Elektromechaniker schloss er bei der Schindler Waggon AG ab und war später über zehn Jahre lang bei Stadler tätig. Nach einem sieben­jährigen Abstecher in die Verpackungsindustrie kehrte Martin Thalmann 2016 zurück zur Bahn. Neun Jahre lang arbeitete der 50-Jährige beim Regional­fahrzeug Instand­haltungscenter Ostschweiz (RICO), das er ab 2019 bis zu seinem Wechsel zu Thurbo auch leitete. Privat engagiert sich Martin Thalmann in seinem Wohnort Arbon als Schul­behörden­mitglied, verbringt Zeit mit seiner Familie, besucht gerne Konzerte oder probiert neue Kochrezepte aus.

Bevor sie zur Thurbo AG stiess, arbeitete Jennifer Meier rund acht­einhalb Jahre als Leiterin Personal­wesen bei der DELTAgroup Security & Services AG. Nach ihrer Lehre als Kauffrau hat sie sich zur Personal­fachfrau und später zur diplomierten Personalleiterin NDS HF weitergebildet. Zudem hat die 37-Jährige zwei CAS-Zertifikate in Arbeitsrecht und Gesprächsführung erworben und ist Prüfungsexpertin und Autorin von Prüfungsfragen bei der Berufsprüfung für eidg. dipl. HR-Fachleute. Jennifer Meier lebt in Gachnang. In ihrer Freizeit schätzt sie das Zusammensein mit Freunden und Familie.

Sie haben nicht nur einen neuen Bereich übernommen, sondern sind auch in ein neues Gremium eingetreten. Wie haben Sie den Einstieg in die Geschäftsleitung erlebt?

JM: Eine Herausforderung der ersten GL-Sitzungen war auf jeden Fall die Vielzahl an Abkürzungen. (lacht) Mir wurde aber glücklicherweise mit viel Offenheit, Hilfsbereitschaft und Verständnis begegnet. Ich war zudem beeindruckt, wie fundiert das Wissen der anderen GL-Mitglieder ist – nicht nur in ihrem eigenen Fachbereich, sondern auch in jenen ihrer Kolleg:innen.

MT: Trotz meines Bahnhintergrundes war es auch für mich anfangs schwierig, mich in den verschiedenen Themenbereichen zurechtzufinden. Gleichermassen wurde ich von Beginn an nicht bloss als «der Neue» beäugt, sondern als vollwertiges Mitglied der Geschäftsleitung anerkannt. Man diskutiert auf Augenhöhe, hört anderen zu und kann sich auch nach kontroversen Diskussionen auf einen Konsens einigen, den alle glaubhaft vertreten.

Welche Rolle nimmt Ihr Gegenüber in der Geschäftsleitung ein?

JM: Martin Thalmann ist sehr überlegt; er reflektiert und hinterfragt. Damit bringt er eine ruhige und besonnene Art in die Geschäftsleitung ein, die vor allem bei hitzigen Diskussionen besonders wertvoll ist.

MT: Bei Jennifer Meier weiss man genau, woran man ist. Sie ist eine direkte Person, bringt Sachen auf den Punkt und hat eine klare Haltung. Eine Eigenschaft, die ich sehr an ihr schätze und die ich als grosse Bereicherung für unser Gremium sehe.

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Mir wurde mit viel Offenheit, Hilfsbereitschaft und Verständnis begegnet.
Jennifer Meier Leiterin HRM

Viele Mitarbeiter:innen aus Ihren Bereichen arbeiten räumlich weit entfernt, sind «draussen» in den Thurbo Zügen unterwegs. Wie schaffen Sie es trotzdem, nahe bei den Bedürfnissen und Herausforderungen dieser Mitarbeitenden zu sein?

MT: Ein Mittel dafür ist mein Arbeitsweg. Einerseits begegne ich dort den Lokführer:innen persönlich, andererseits erhalte ich einen Einblick in ihren Arbeitsalltag und kann viele ihrer Herausforderungen beobachten. Ein weiteres Mittel sind Besuche bei verschiedenen Standorten, bei denen oft spannende Gespräche entstehen.

JM: Auch mir ist die Präsenz an den verschiedenen Standorten wichtig, um zu spüren, wie es unseren Mitarbeiter:innen geht – sei dies bei spontanen Besuchen oder bei Personalanlässen. Zudem nutze ich zufällige Begegnungen mit Lokführer:innen und Kundenbegleiter:innen in der Geschäftsstelle, um mich vorzustellen und führe viele persönliche Gespräche mit unseren Mitarbeitenden.

Bei welchen Themen haben Sie im vergangenen Geschäftsjahr intensiv zusammengearbeitet?

MT: Schnittstellen ergeben sich vor allem im Bereich der Personalbesetzung. Ein konkretes Beispiel ist die Nachbesetzung der Stelle Leiter:in Lokpersonal im Jahr 2027, deren Planung wir frühzeitig aufgegleist haben.

JM: Zudem haben wir einen neuen Fokus auf die Nachfolgeplanung und Mitarbeitendenentwicklung gelegt. Diese Arbeit möchten wir 2026 intensivieren, um die nötigen Strukturen zu schaffen, damit wir unseren Mitarbeiter:innen in Zukunft noch bessere Entwicklungsmöglichkeiten anbieten können.

In der Thurbo Geschäftsleitung wird offen und auf Augenhöhe diskutiert. Bild: Thurbo AG

Was war Ihr Highlight im Geschäftsjahr 2025?

MT: Besonders emotional war die Eröffnung der Serviceanlage in Weinfelden. Ich war stolz, Teil von etwas zu sein, das in der Bevölkerung ein so grosses Interesse ausgelöst hat.

JM: Der 1. November war auf jeden Fall sehr eindrücklich und aus Unternehmenssicht ein absolutes Highlight. Mein Highlight setzt sich jedoch aus vielen kleinen Momenten zusammen: Das Engagement, Verständnis und die Hilfsbereitschaft, die mir aus allen Unternehmensbereichen entgegengebracht wurde, ist mein Highlight 2025.

Welche Ziele haben Sie sich als Leiterin HRM bzw. Leiter Betrieb für die Zukunft gesetzt?

MT: Mittelfristig möchte ich mich tiefer in die verschiedenen Fachthematiken einarbeiten, um die Herausforderungen meiner Mitarbeiter:innen noch besser zu verstehen und meinen Bereich optimal auf die kommenden Veränderungen, darunter die Einführung der neuen Fahrzeugflotte und der Ablösung des Planungssystems, einzustellen.

JM: Ich möchte den HR-Bereich bei Thurbo modernisieren und wichtige Digitalisierungsschritte angehen. Es gilt, das Gute zu bewahren und den Rest noch besser zu machen.

Veränderungen im Thurbo Verwaltungsrat

Nicht nur in der Geschäftsleitung, sondern auch im Verwaltungsrat der Thurbo AG gab es im vergangenen Jahr personelle Veränderungen: Reto Liechti wurde an der Generalversammlung 2025 zusammen mit Christophe Gardan in den Verwaltungsrat der Thurbo AG gewählt. Als Nachfolger von Paul Blumenthal ist Reto Liechti zudem neuer Vizepräsident des Verwaltungsrats.

Reto Liechti, Verwaltungsratsvizepräsident der Thurbo AG. Bild: Thurbo AG

Reto Liechti, sowohl in der Geschäftsleitung als auch im Verwaltungsrat der Thurbo AG ist es 2025 zu zwei personellen Veränderungen gekommen. Wie haben Sie als neuer Vizepräsident des Verwaltungsrats die Zusammenarbeit im Gremium erlebt?

RL: Die Diskussionen im Verwaltungsrat sind sehr offen und stets geprägt von einer klaren Ausrichtung auf den Erfolg der Thurbo AG. Alle VR-Mitglieder erleben Thurbo regelmässig selbst als Kundin oder Kunde – so bleiben die Qualität und Kundenorientierung immer im Zentrum.

Wie wirken sich die personellen Wechsel im Verwaltungsrat auf die strategische Ausrichtung von Thurbo aus?

RL: Thurbo ist im Regionalverkehr in der Ostschweiz und im angrenzenden Ausland hervor­ragend positioniert. Der Verwaltungsrat wird die Stärken von Thurbo als regional verankerte, kundenorientierte und zuverlässige Bahn weiter ausbauen. Sie soll für Besteller und Kund:innen ein verlässlicher Partner bleiben.

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Die Diskussionen im Verwaltungsrat sind sehr offen und stets geprägt von einer klaren Ausrichtung auf den Erfolg der Thurbo AG.
Reto Liechti Vizepräsident des Verwaltungsrates

Inwiefern können Sie als neuer Vizepräsident des Verwaltungsrats dazu beitragen, dass die Kontinuität bei Thurbo trotz dieser Wechsel gewährleistet bleibt, zumal Anfang 2026 auch der bisherige Verwaltungsratspräsident Werner Schurter zurückgetreten und durch Nicolas Germanier ersetzt worden ist?

RL: In meinen letzten Rollen im Fernverkehr und der Produktion Personenverkehr bei den SBB habe ich bereits eng mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat der Thurbo AG sowie mit anderen öV-Anbietern in der Ostschweiz zusammengearbeitet. Das Wissen und die Erfahrungen aus dieser Zeit kann ich aktiv in die laufenden Geschäfte einbringen.

Wie muss man sich den Austausch zwischen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung vorstellen?

RL: Der Austausch ist von Vertrauen und Transparenz geprägt. Neue Ideen und Lösungen werden ausdiskutiert und gemeinsam legen wir den Fokus auf die pragmatische und rasche Umsetzung.

Vier Fragen an Claudia Bossert

Als Unternehmensleiterin der Thurbo AG steht Claudia Bossert nicht nur der Geschäftsleitung vor, sondern pflegt auch einen engen Austausch mit dem Verwaltungsrat.

Claudia Bossert, Thurbo Unternehmensleiterin. Bild. Thurbo AG

Claudia Bossert, wie haben Sie den Eintritt von Martin Thalmann und Jennifer Meier in die Geschäftsleitung erlebt?

CB: Beide Positionen haben wir nach intensiven Rekrutierungsprozessen besetzt. Ich war daher überzeugt, dass Martin und Jennifer die erforderlichen fachlichen und persönlichen Kompetenzen mitbringen. Sie haben sich sehr rasch in ihre neuen Aufgaben eingearbeitet und gehörten nach kurzer Zeit einfach dazu.

Auch im Verwaltungsrat von Thurbo hat es zwei Wechsel gegeben. Haben sich diese im vergangenen Jahr bereits auf die strategische Ausrichtung von Thurbo ausgewirkt?

CB: An der zweiten VR-Sitzung von Reto Liechti und Christophe Gardan haben wir uns intensiv mit der Unternehmensstrategie 2026-2030 auseinandergesetzt. Als langjährige öV-Profis in verschiedenen Funktionen bei der SBB waren sie schnell vertraut mit den Herausforderungen von Thurbo und geben wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens.

Haben Sie als Unternehmensleiterin besondere Vorkehrungen getroffen, um die Wechsel in der GL und im VR möglichst reibungslos zu gestalten?

CB: Für Neue ist es immer eine Herausforderung, dass sie rasch möglichst viel mitbekommen, aber nicht mit Informationen überflutet werden. Wir haben versucht, die neuen VR- und GL-Mitglieder mit den relevanten Informationen zu versorgen und ihnen die Hintergründe aufzuzeigen. Wichtig sind offene Türen und kurze Wege.

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Für Neue ist es immer eine Herausforderung, dass sie rasch möglichst viel mitbekommen, aber nicht mit Informationen überflutet werden.
Claudia Bossert Unternehmensleiterin

Wie nehmen Sie die Zusammenarbeit in den beiden Gremien in der neuen Zusammen­setzung wahr? Hat sie sich stark verändert?

CB: Jeder Wechsel in einem Gremium bringt eine neue Dynamik. Ich empfinde es als sehr bereichernd, sowohl in der GL als auch im VR neue Perspektiven zu bekommen. In der GL müssen wir die operativen Herausforderungen gemeinsam meistern und uns bei gewissen Themen manchmal auch zusammenraufen. Dafür ist es wichtig, dass wir als Team agieren und uns in unseren Rollen und als unterschiedliche Persönlichkeiten gegenseitig respektieren.

Der VR ist verantwortlich für die strategische Weiterentwicklung von Thurbo und gestaltet diese aktiv mit. Die VR-Mitglieder sind für mich wichtige Sparringpartner, von deren Kompetenzen und Weitsicht wir profitieren.

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