Weiterentwicklung der Sicherheitskultur

Weiterentwicklung der Sicherheitskultur

Ein nie endender Prozess

Thurbo hat 2025 intensiv an einem gemeinsamen Führungsverständnis zum Thema Sicherheitskultur gearbeitet. Zudem hat die Regionalbahn bereichsübergreifend mehrere Projekte lanciert respektive forciert, um die Kultur im Alltag der Mitarbeiter:innen zu verankern.

Die Sonne klettert über den Säntis und taucht die Schwägalp in gleissendes Licht. Bergidylle, Friede, Ruhe. Doch selbst während des Apéros lassen sich die Thurbo Kadermitarbeiter:innen nicht von dieser Stimmung anstecken. Zu intensiv war der Seminartag, während dem sich das Kader unter externer Leitung mit den Themen Sicherheit und Sicherheitskultur beschäftigt hat. «Eigentlich müssten wir nochmals einen Tag anhängen», sagt etwa Markus Beutler, Leiter der Abteilung Kundenservices. «Wir haben wertvolle Denkanstösse bekommen.» Thurbospezifisch umfasst der Begriff Sicherheit sowohl die Beherrschung der Bahnbetriebsrisiken also auch die Sicherheit von Kund:innen und Personal, das betriebliche Gesundheitsmanagement und die Informationssicherheit (Cyber Security).

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Wir haben beim Kaderseminar zur Sicherheitskultur wertvolle Denkanstösse bekommen.

Markus Beutler Leiter Kundenservices Thurbo

Durch den Seminartag geführt haben Martin Baur und Hans Fischer. Die beiden Piloten beraten für die Firma AviatSys diverse Unternehmen in Sicherheitsfragen. Bei einem Bahnunternehmen waren sie noch nie zu Gast. «Die Themen und Herausforderungen, mit denen Thurbo an uns herangetreten ist, sind jedoch Klassiker», sagt Hans Fischer. Er habe unter den Teilnehmenden eine enorme Bereitschaft gespürt, die bestehende Sicherheitskultur zu hinterfragen und daran zu arbeiten.

Der Mensch im Zentrum

Baur und Fischer zeigen bei ihren Beratungen Ansätze aus der Flugbranche auf. Ein Beispiel ist die Implementierung einer JUST-Culture, bei der die Ursachenforschung im Zentrum steht: Weniger Sündenböcke, mehr Erkenntnisse. «Einen Aha-Moment gab es bei der Vorstellung des vertraulichen Meldewesens ausserhalb des offiziellen Dienstwegs», sagt Martin Baur. Man sei auf die freiwillige Meldung von Beinahe-Vorfällen oder auch «Hoppla-Momenten» angewiesen, damit sie nicht in gröberen Ereignissen mündeten. Baur attestiert Thurbo den Willen dazu. «Doch bis eine Sicherheitskultur grundlegend weiterentwickelt und gelebt wird, ist es ein langer und nie abgeschlossener Prozess».

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Die Themen und Herausforderungen, mit denen Thurbo an uns herangetreten ist, sind Klassiker.

Hans Fischer Pilot, Berater bei AviatSys, Referent Thurbo Kaderseminar 2025

Das ist das Stichwort für Antonia Kyburz. Die Organisatorin des Kaderseminars und Leiterin des Bereichs Sicherheit, Prozesse, Qualität hat sich diese Mission auf die Fahne geschrieben. Nebst der Weiterentwicklung der Sicherheitskultur ist sie verantwortlich für die Sicherheitsstrategie und die daraus abgeleiteten Massnahmen, um die Sicherheit im Alltag zu erhöhen. Dabei ist ihr eines wichtig: «Wir stellen den Menschen ins Zentrum.» Der Eisenbahnverkehr sei durch den technologischen Fortschritt enorm sicher geworden, doch der Mensch dürfe neben der Maschine nicht vergessen gehen.

Antonia Kyburz, Bereichsleiterin Sicherheit, Prozesse, Qualität. Bild: Thurbo AG

Auch basierend auf den Erkenntnissen aus dem Kaderseminar hat Antonia Kyburz 2025 in Zusammenarbeit mit allen Thurbo Bereichen die Weichen in Sicherheitsthemen gestellt. «Teilweise befinden wir uns symbolisch noch an der Haltestelle, während wir mit gewissen Projekten voll in Fahrt sind», sagt sie. Die folgenden Massnahmen und Projekte, welche die Sicherheitskultur und/oder -strategie betreffen, bieten einen Überblick.

Sicherheitskultur

Die folgenden Massnahmen zielen primär darauf ab, die Sicherheitskultur weiterzuentwickeln und sie im Alltag der Mitarbeiter:innen zu verankern.

Zweite grosse Umfrage zur Sicherheits- und Qualitätskultur

Im März 2025 hat Thurbo nach 2023 eine zweite Umfrage zur Sicherheits- und Qualitätskultur im ganzen Unternehmen durchgeführt. Mit einem Gesamtwert von 76 von 100 möglichen Punkten hat sich die Sicherheits- und Qualitätskultur im Vergleich zur Umfrage 2023 leicht verbessert. Thurbo stellt mit den Umfragen sicher, dass die langfristige Entwicklung der Sicherheitskultur gemessen wird.

Fixer Bestandteil der Jahresgespräche

Wie die Mitarbeiter:innen die Sicherheitskultur erleben, wird nicht nur in Umfragen, sondern auch in jedem Jahresgespräch thematisiert. Während in den grossen Umfragen quantitative Daten im Vordergrund stehen, wird die Sicherheitskultur in den Jahresgesprächen qualitativ besprochen.

Überarbeitung Meldeprozess

Antonia Kyburz hat gemeinsam mit dem Bereich Betrieb die Überarbeitung des Prozesses von freiwilligen Meldungen bei kleineren oder Beinahe-Vorfällen angestossen. Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Lokführer:innen solche Vorfälle vertrauensvoll melden können.

Transparente interne Kommunikation

Thurbo kommuniziert Sicherheitskennzahlen, betriebliche Ereignisse sowie die daraus folgenden Lernprozesse intern konsequent und transparent. Dabei sind keine Rückschlüsse auf die Person möglich. Gemäss Hans Fischer und Martin Baur ist diese Kommunikation unabdingbar, damit aus Fehlern gelernt wird und alle Mitarbeiter:innen Teil der Sicherheitskultur werden können. Ereignismeldungen, dass beispielweise eine Lokführerin oder ein Lokführer einen vorgeschriebenen Halt verpasst hat, betreffen auch das Verwaltungspersonal. «Die Geschäftsstelle trägt zu einer ursachenbasierten Sicherheitskultur bei, indem bei Flurgesprächen nicht darüber spekuliert wird, wer wohl den Zug gefahren hat», sagt Martin Baur.

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Auch die Geschäftsstelle trägt zu einer ursachenbasierten Sicherheitskultur bei.

Martin Baur Referent Kaderseminar 2025, Thema Sicherheitskultur

Sicherheitsstrategie

Mit diesen Massnamen und Projekten stellt Thurbo im Rahmen der Sicherheitsstrategie den Menschen ins Zentrum. Es handelt sich um Beispiele, die in direktem Zusammenhang mit dem Bahnbetrieb stehen. Risiken werden minimiert, indem den Gefahren der Schichtarbeit, wie etwa Monotonie, vorgebeugt wird.

Schlafseminare für Mitarbeiter:innen im Schichtdienst

Schichtarbeit, wie sie bei Thurbo das Lokpersonal, die Kundenbegleiter:innen und die Disposition verrichten, ist eine besondere Herausforderung für gesunden Schlaf und das Wohlbefinden – und letztlich für die Sicherheit. Deshalb bietet Thurbo in Zusammenarbeit mit ZURZACH Care Workshops an, um den Schlaf trotz wechselnder Arbeitszeiten zu optimieren.

Die Disponent:innen von Thurbo arbeiten im Schichtbetrieb. Bild: Thurbo AG

Thurbo führt neue Arbeitsmodelle für das Lokpersonal definitiv ein

Nach einer zweijährigen Pilotphase des Projekts «ProViel» führt Thurbo die flexiblen Arbeitsmodelle für das Lokpersonal definitiv ein. ProViel ist eine Wortschöpfung aus den Bestandteilen Pro (für die Mitarbeiter:innen) und Viel (für «viel Auswahl»). Konkret schafft Thurbo für das Lokpersonal möglichst optimale Bedingungen, um die Arbeitsleistung im Einklang mit dem Privatleben erbringen zu können. Je nach persönlichen Präferenzen können sich Lokführer:innen für das Modell entscheiden, welches die Belastung der Schichtarbeit am besten abfedert.

Die Sicherheit des Personals, hier der Kundenbegleiter:innen, ist für Thurbo zentral. Bild: Thurbo AG

FACE-Modell für die Kundenbegleiter:innen

Das Führungsteam der Abteilung Kundenservices wird das FACE-Modell (siehe folgende Abbildung) in Sicherheitsschulungen der Kundenbegleiter:innen integrieren. Da die Kundenbegleiter:innen grundsätzlich mindestens zu zweit unterwegs sind, hat es für diese Berufsgruppe Potenzial. Risiken werden zuweilen unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb ist es wichtig, dass unter Kolleg:innen die Wahrnehmung der anderen Person auch infrage gestellt und im Extremfall übersteuert werden darf – unabhängig der Hierarchie. «Das Modell war für mich eine der zentralen Erkenntnisse des Kaderseminars», sagt Markus Beutler, Leiter Kundenservices.

Das FACE-Modell, wie es bei Thurbo in die Sicherheitsschulungen der Kundenbegleiter:innen integriert wird. Bild: Thurbo AG

Als sich Antonia Kyburz am Ende des Kaderseminars auf der Schwägalp ihren Rucksack auf die Schulter schwingt, ist dieser mit vielen neuen Werkzeugen und Denkanstössen gefüllt. Auch eine Portion Gewissheit steckt drin, dass Thurbo in Sachen Sicherheitskultur auf dem richtigen Weg ist. «Das sehe ich in den Ergebnissen unserer zweiten grossen Umfrage», sagt die 49-Jährige. «Nach dem Empfinden der Mitarbeitenden suchen wir im Vergleich zu 2023 stärker nach der Fehlerursache und nicht nach der schuldigen Person.» Zudem beobachteten andere Transportunternehmen das Projekt ProViel mit grossem Interesse.

Nicht zuletzt sieht die Bereichsleiterin, dass Feststellungen aus internen und externen Audits sowohl strategisch wie auch operativ implementiert werden. «Unsere Mitarbeitenden stellen einen hohen Sicherheits- und Qualitäts­anspruch an das Unter­nehmen, aber auch an sich selbst», sagt Antonia Kyburz und steigt ins Postauto. Es geht zurück ins Thurbo Hauptquartier in Kreuzlingen. Nun ruft nicht mehr der Berg, sondern der Bodensee – und damit auch die tägliche Erwartung an einen sicheren Bahnverkehr in der Ostschweiz.

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